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Die Geschichte des Schlosses
Die Existenz der ursprünglichen Festung an der Stelle des heutigen Schlosses wird etwa ab der Mitte des 14. Jahrhunderts angenommen. Die erste schriftliche Quelle ist der Eintrag in die Landtafeln von 1465. Sie hält die Teilung des Nachlasses von Ctibor von Zásmuky anders von Vlčetín zwischen seine zwei Söhne Petr und Václav fest. Möglicherweise durch einen Verkauf kam die Festung später in den Besitz von Diviš Boubínský von Újezd, der sie dann um 1530 der Ritterfamilie Kába von Rybňany veräußerte.
 
Die interessanteste Persönlichkeit der Familie der Kába war zweifellos Ritter Jan, ein tüchtiger Wirtschafter, aktiver Bauherr, treuer Diener der Habsburger, der das Prestigeamt eines Biersteuer-Einnehmers im Bechiner Kreis (kraj Bechyňský) bekleidete. Sein kurzes Leben wurde von der Pestepidemie tragisch gezeichnet, die ihm 1557 fünf Kinder nahm. Vielleicht war gerade dieses traurige Ereignis das Hauptmotiv für den Bau einer schlichten Schlosskapelle auf dem Hügel über dem Teich (die heutige Hl. Dreifaltigkeitskirche). Nach Johanns Tod fiel Lhota als Erbe seinen drei Söhnen Bohuchval, Zikmund und Jiří zu, diese mussten aber zuerst den ältesten Bruder Jaroslav ausbezahlen. Nach vier Jahren starb Zikmund und die Familien der anderen zwei Brüder Bohuchval und Jiří lebten auf Lhota in ständigem Streit. Das Schloss hörte auf, ein ruhiges Heim zu sein und wurde zum Schauplatz von Scharmützeln, Zwistigkeiten und persönlichen Angriffen. Vielleicht war es gerade eine dieser Auseinandersetzungen, die im Gedächtnis zufälliger Zeugen bewahrt blieb und sich mit der Zeit zu einer volksetymologischen Sage von einer gottlosen Schlossherrin wandelte. Diese sei vom Teufel geholt worden, an ihr tragisches Ende habe ein Blutfleck unter dem Fenster an der damals noch schneeweißen Fassade gemahnt. Dies soll der Grund für die spätere Überstreichung des Schlossputzes mit roter Farbe gewesen sein. Der Pfarrer von Deštná Bedřich Kamarýt machte dann diese Volkserzählung zum Hauptmotiv seiner spannenden Prosa. Im Jahr 1597 erwarb Bohuchvals Sohn Jan den Anteil seines Onkels Jiří, und die auf diese Weise vereinigte Herrschaft verkaufte er umgehend an Vilém Rut von Dírná. Die Familie Rut besaß Dírná seit dem Ende des 14. Jahrhunderts, 1595 kaufte sie von den Rosenbergern die Herrschaft Deštná hinzu. Durch den Erwerb von Lhota, die sich zwischen diesen beiden befand, wurden alle drei Herrschaften vereint und Lhota und Deštná nie wieder getrennt. Das letzte Mitglied der Familie Rut, Bohuslav, musste als Utraquist nach der Schlacht am Weißen Berg das Land verlassen.
 
Im Jahr 1621 wurde Lhota von Antonio Bruccio bezogen, dem Rittmeister des kaiserlichen Heeres, einem italienischen Adligen, der im Dienst der Familie Slawata den Stand der Konfiskation in dem Kreis Tabor feststellte und eben seit 1621 als der Kommandant der Stadtgarnison in Jindřichův Hradec / Neuhaus wirkte. Der eifrige Katholik und große Marienverehrer Bruccio erwies sich auch als fähiger Diplomat und guter Wirtschafter. Er verteidigte die Region vor Nachkriegsplünderungen, steigerte noch die wirtschaftliche Prosperität von Deštná durch einen groß angelegten Aufbau des Kurbads, von dem bis zur heutigen Zeit nur die direkt über der Wunderquelle errichtete Kapelle St. Johannes der Täufer erhalten blieb.
 
Die durch den Krieg entvölkerte Herrschaft konnte binnen kurzer Zeit wieder bevölkert werden, zu einer allgemeinen Beruhigung der Verhältnisse trug dann auch wesentlich das von Bruccio initiierte allgemeine Treuegelöbnis der Untertanen zum katholischen Glauben bei. Im Jahr 1639 starb Bruccio kinderlos und vermachte große Schenkungen der St.-Otto-Kirche in Deštná und der St.-Johannes der Täufer-Kirche in Neuhaus, in der er begraben liegt. Mit dem Tod dieses Besitzers verlor Lhota die Funktion einer Residenz; für alle anderen diente es nur noch als vorübergehende Behausung.
Nach Bruccios Tod fiel Červená Lhota der Königlichen Kammer zu, von der es 1641 in den Besitz des bedeutenden Adeligen Wilhelm Slawata von Chlum und Košumberk überging. Seine Tatkraft, sein diplomatischer Takt, seine Bildung und große Intelligenz ebneten ihm bald den Weg zu einer hohen Beamtenkarriere. Seine Laufbahn begann mit dem Amt eines Königsmarschalls und verlief dann über die Funktionen des Burggrafen von Karlštejn und des Präsidenten der Böhmischen Kammer bis zu dem Amt des Oberhofmeisters am Kaiserhof und bald darauf sogar des Oberstkanzlers von Böhmen. Dieses letztgenannte Amt bekleidete er trotz einiger zwischenzeitlicher Rücktritte bis zu seinem Tod. Durch die Heirat mit Lucie Ottilie von Neuhaus erwarb er eines der ausgedehntesten Dominien in dem damaligen Böhmen – die Herrschaft Neuhaus. Das dazugekaufte Červená Lhota erfüllte die Funktion eines stadtnahen Lustschlosses, eines Ortes des Vergnügens, der Feste und Erholung insbesondere der weiblichen Mitglieder des Slawata-Geschlechts. Schon in der Generation von Wilhelms Enkeln gab es keine männlichen Nachkommen. Červená Lhota ging durch die Heirat der zweitgeborenen Tochter Ferdinand Wilhelms, des ältesten von Wilhelms Enkeln, Marie Markéta im Jahr 1693 in den Besitz der Familie Windischgrätz über. Ernst Friedrich Windischgrätz und sein Sohn Leopold brachten durch eine veraltete Art der Haushaltsführung die Herrschaft in große Schulden. Zuletzt schlug der Vormund ihres minderjährigen Erben Josef die Herrschaft zum Kauf vor. So wurde sie 1755 vom Geschlecht der Freiherren von Gudenus erworben. Franz de Paula Freiherr von Gudenus nahm bald zahlreiche bauliche Umgestaltungen in Angriff. Es wurde nicht nur die Kapelle des Kurbads in Deštná instand gesetzt, sondern auch die dortige St.-Otto-Kirche, deren aufwändige und prächtige, bis heute erhaltene Einrichtung eben aus dieser Zeit stammt. Weitere bauliche Aktivitäten wurden im Jahr 1774 durch einen Brand von Červená Lhota gewaltsam unterbrochen, bei dem wohl alle Wirtschaftsgebäude verbrannten. Schon im Jahr 1776 begrüßte Lhota seinen neuen Besitzer, Baron Ignatz Stillfried, einen fortschrittlichen Adeligen aus Preußisch-Schlesien. Er verkaufte das Kurbad in Deštná bald in private Hände, das dadurch endgültig seinen einstigen aristokratischen Glanz verlor. In die Geschichte des Schlosses ging er insbesondere als der Gastgeber und Mäzen des alternden Komponisten und Mitschöpfers der deutschen Komischen Oper Karl Ditters von Dittersdorf ein, dessen Lebensweg nach einem vierjährigen Aufenthalt gerade in der hiesigen Herrschaft zu Ende ging. Ignatz´ Sohn Moritz verkaufte die Herrschaft im Jahr 1820 an Jakub Veith. Falls dieser unternehmungslustige Industrielle und Mäzen der böhmischen bildenden Künstler mit Lhota bestimmte Pläne hatte, konnte er sie nicht mehr umsetzen. Seine Tochter Theresia verkaufte das Schloss 1835 an die adelige Familie von Heinrich Eduard Schönburg-Hartenstein.
 
Heinrich Eduard Schönburg-Hartenstein, Major der österreichischen Armee, Diplomat und k.u.k. Kammerherr, ließ sich im Jahr 1823 in der neuerworbenen Herrschaft Černovice nieder, zu der er 1835 Červená Lhota hinzukaufte. Das Zentrum der Herrschaft war aber Černovice, das für Heinrich zur zweiten Heimat (nach Wien) wurde. Angesichts dessen wundert es, dass er es 1872 verkaufte und für seinen Sohn Josef Alexander von den südböhmischen Besitzungen nur Červená Lhota behielt. Josef Alexandr Schönburg-Hartenstein, k. u. k. Kronrat, war ebenfalls im diplomatischen Dienst tätig. Den gleichen Weg schlug auch sein jüngster Sohn und nächster Erbe von Červená Lhota ein, Prinz Johann, k. u. k. Kammerherr, Träger des Ordens vom Goldenen Vlies, des Großkreuzes des Leopold-Ordens, des Ordens der Eisernen Krone, des Großkreuzes des Malteserordens und des Christusordens. Besondere Aufmerksamkeit zog er auf sich durch sein Amt eines außerordentlichen bevollmächtigten k. u k. Gesandten beim Heiligen Stuhl im Vatikan. Der Erste Weltkrieg und der darauf folgende Zusammenbruch der geliebten Monarchie waren die Ursachen für Johanns Rückzug auf seine Lieblingsresidenz Červená Lhota, wo er dann Zeit genug fand um sie zu verschönern und auszubauen. Im Jahr 1937 starb er und wurde in der neu erbauten Gruft begraben. Er blieb also von den bewegten Ereignissen eines neuen Krieges verschont, der einen traurigen Schlusspunkt hinter die ganze Geschichte des Adels setzte. 
 
Nach der Übernahme des Schlosses durch den Tschechoslowakischen Staat im Jahr 1946 wurde hier ein Kindererholungsheim errichtet. Ein Jahr später erfolgte die Übergabe an die Nationale Kulturkommission und seit 1949 ist das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich.